|
Partysan Open-Air 9, Bad Berka 7.08.-10.08.2003 Überschrift: Hell took place !! Das bewährte Motto "Hell is here" hätte in diesem Jahr beileibe nicht trefflicher gewählt sein können. Das schier vernichtende, so manchem Bauer die Existenzgrundlage zerbrutzelnde August-Hoch "Michaela" trieb das Quecksilber hoch, daß selbst der Hörnerpapst sich ins kühlende Flackern des höllischen Flammenmeers zurückwünschte und doch zog es mehr Unentwegte denn zuvor auf die umzäunten Ackerflächen am Ortsausschied Bad Berkas. Uneingedenk dessen, daß sich besonders Eifrige schon seit Montag dem fidelen Promilleverzehr hingaben und eine überzählige Masse an Festivalisten bereits im Laufe des Mittwoch und frühen Donnerstags unterm Partysan-Banner einbog, fiel der Startschuß für das musikalische Programm erst weit nachdem das unbarmherzig glühende Rund am Himmel der nächtlichen Eintrübung unterlag. Der erste Zündfunke sollte von Fragments of Becoming ausgehen doch leider waren von ferner Warte aus - einigen Pötten Gerstenkaltschale, denen kaltherzig der Eintritt ins Zelt verwehrt blieb, mußten rasch noch eingehalst werden- keinerlei hervorragende Ansätze zu erörtern, die den prallen Deal mit Metal Blade für mich erklärbar machen. Stattdessen wurde wieder mal der schwedische Elementefundus mächtig zum Bluten gebracht. Buried God boten im direkten Anschluß daran eine solide Munitionsladung Thrash-Salven, die auf ihrem neulich via Merciless Records erschienen Debüt indessen noch einen Deut mehr Durchschlagskraft innehatte. Schlußlicht Tenebre hatten auch ohne Eigenverschulden im Kontext eines Extrem-Festivals nicht viel Zuspruch einzuholen. Ihr schnittiger Gothic Rock hätte bei WGT oder M'era Luna sicherlich vor dichteren, verzückteren Reihen stattgefunden. Mir gefiel's allenthalben, trotz der etwas aaligen, stylishen Performance, recht gut und der Rest der Meute verwertete das eingängige Material als Saufvorlage. Nach einer Kindermütze Schlaf und den üblichen Bedarfsrationen Gekeltertes geriet das Geschehen auf der Open-Air Bühne allmählich in Wallung. Fal lof Serenity unterhielten von Ferne, denn bei allem wahrlich gehegten Interesse gegenüber mir unbekannten Acts war doch die Distanz zur glutheißen Mittagshitze zu wahren. Im Zuge einer klimatisch bedingten Prioritätensetzung blieb ich Resurrected und Mucupurulent ebenso fern und klinkte mich erst zu Helheim wieder in den Programmverlauf ein. In ihren Ausdrucksformen recht verquer und mit einer anfangs lausigen, melodische Gitarren- und Gesangsanteile wegzehrenden, Klangqualität auf die Bühne geschickt, boten die Höllenheimer kaum erbauliches und dennoch gebührt ihen eine Heldenehrung. Denn wer bei Hochofen-Ambiente und Instant-Krebs-Ozonwerten heldenhaft sein langärmliges Kettenhemd mit auf die Bühne schleppt, dem sei die imaginäre Tapferkeitsmedaille in Rost verliehen. Dennoch hätten die ursprünglich gebuchten Destroyer 666 an dieser Stelle deutlich mehr Eindruck hinterlassen. Disbelief boten bei tageszeitbedingt minimal gedrückten Temperaturwerten die erste Vollbedienung für alle Vitalfunktionen. Die Dieburger reproduzierten ihren gewohnt eindrücklichen, nickligen Rottweiler-Groove, Jagger verbiß sich geifernd-leidend in jeder Silbe, drehte seinen Rachenraum letzt und schob kühlende Schauer über des Zuschauers Rückenpartie. Dr zweifache Vorblick auf Künftiges hinterließ eine Sabberpfütze unbändiger Vorfreude in meiner Mundgegend, gerade weil es die Hessen wohl noch ein büschen brachialer und rhythmisch agiler angehen ließen. "Assassinate the scars", der Disbelief-Knaller, der diese Charakteristika bislang bestmöglichst band, fehlte leider. Im Anschluß daran schauten God Dethroned ( die immer und überall einspringenden Standby-Holländer standen diesmal für die schmerzlich vermissten Lord Belial gerade) kurz vorbei, ließen eine Latte Hits vom Stapel, kredenzten als Draufgabe eine erneut in den Strophen teilchenbeschleunigte "Evildead"-Version und flochten die jüngsten von mir sehr unenthusiastisch vernommenen Stücke gut ins Programm ein. Ich muß kleinlaut eingestehn, daß Stücke wie "The Warcult", das Amarthige "into the lungs of hell" und speziell "Slaughtering the faithful" (bei Teutates ein Crust-Geschoß !) sich doch gut in der Live-Situation sich zu betragen wußten und die Aufmerksamkeit der Augenzeugen an sich schnürten. Erneut nichts zu deuteln und zu meckern gab es bei den anschließend stalinorgelnden Vader. Wie Slayer anno sonstwann kleben Mauser, Peter und Behemoth-Zeitarbeiter Novy auf ihren Positionen, weil sie sich getrost auf die schiere Imposanz (.?.) ihrer kompakten Stücke verlassen können, dennoch sollten sich die überpräsenten Polen für eine Weile rar machen und Deutschland-Auftritte umgehen. Aus logistischen Zwängen heraus- Flugzeuge warten bekanntlich nicht- rochierte das Floridianische Urgewächs Malevolent Creation zeitlich mit Naglfar, die so unverhofft die Headliner-Rolle einnahmen. Erwartungsgemäß boten die Amis auch unter Zeitdruck präzisen außerordentlich auf den Punkt gespielten Death/Thrash, der in kleinem Umfang unter dem unmelodiösen Bellen von Sänger Kyle litt.Indessen rissen "Killzone", "Blood brothers", Living in fear", "slaughter of innocence" und das erstmals wieder hervorgekramte "Malevolent Creation" deftig mit und zogen vielhellige Begeisterung und enorme Blessuren im Bühnenvorfeld nach sich. Als Betthupferl gab's dann noch eine mit dem Rasiermesser mit. Naglfar bescherten mit ihrem feinschnittigen Handwerk nahedem orgiastische Genüsse und daß obwohl Kreischer Ryden schonmal biestiger klang und durch permanente Spreizstellung statisch im Gebaren wirkte. Dark Fortress, die erste Truppe des Finaltages welche mir das Ungemach eines Sonnenstichs wert war, brachte zunächst die Lachmuskulatur in Biegstellung. Die blendaxweißgeschminkten Bajuwaren sahen aus als hätten sie sich über Nacht in Deckweiß eingelegt. Musikalisch waren die Festungswächter dementgegen ernstzunehmend und für Anhänger grimmer, schwedischer Melodik nah einer Offenbarung. Das neue Album "Stab wounds" ist bereits im Anmarsch, Auszüge davon implizieren eine weitere Steigerung und eine massive Verrauhung bzw. Entschwedung. Astrein war auch das Stage-Acting und endlich mal zu Tagesbeginn auch der Sound. Großer Auftakt ! Katfalks Auftritt Stunden später standen leider nur wenige bei. Die berstende Allianz aus den härteren Stilistiken, mit gut verteilten Blastanfällen gefiel der lichten Schar an Hartgesottenen, auch wenn die tieferen Vocals des abgewanderten Sängers (zu hören auf dem Debütantenbrett "Storm of the horde") der Truppe besser zu Gesicht standen. Unabhängig davon wie oft die Belgier meine Interviewfragen noch verschludern, sie verdienen meinen vollen Respekt. Wer diffizile, vielseitige Ballerverrenkungen wie "The saw and the carnage done", "Muticolous invagination" und wie sie nicht alle hießen ohne Profilverluste auf die Bretter legt, hat definitiv mehr auf dem Kasten als es die lyrische Verwurzelung im Gore-Schmand nahelegt. Rein musikalisch mit am bewegendsten und ebenso sinnesverklärend wie der an anderer Stelle kommentierte Gig der Iren, war mein Enthusiasmus diesmal leider nicht einhelliger Natur. Sänger Alan hatte offenbar die Hitze nicht recht wohl getan, stolzierte, tapste,glubschte und taumelte wie eine absurde plurale Wesensvermengung aus Braveheart-Held, panisch nach Luft schnappendem Seefisch, Harlekin und Bordsteinphantomimiker als gelte es den Quatsch Comedy Club aufzumischen. Charismatisch war das sicherlich zu nennen nur eben zu viel des Guten, zumal die ewig selben Clownereien dann auch nervtötend wirkten. Seine Gesangsspuren blieben von diesem Spektakel unversehrt, die Atmosphäre leider nicht, so daß sich in die sonst übliche Begeisterung ein wenig Irritation und Unverständnis einmengte. Die unangemessen spät ins Billing eingebauten Dimension Zero haben sich im Mob schwedischer Nachmacher eine klitzekleine Nische erprügelt. Stärker eruptiv und meist simpel gestrickt und mit bindenden Hooks versehen boten sie nette Unterhaltung, inklusive zweier Neuvorstellungen des mittlerweile angekündigten Debüt-Nachfolgers "This is hell", der wohl in die selbe Kerbe prescht. Die Polen Behemoth sind seit sie vermehrt dem Death Metal zusprechen eine charismatische Gruppe geworden. Leider hat Zampano Nergal nicht nur bärenstarkes Songwritingtalent sondern auch ein beschissen glückloses Händchen bei der Auswahl des Live-Sets. "As above so below" beispielsweise ist bei weitem zu sperrig, um es grandiosen Blastkatessen wie "LAM" oder "Inflamed of rage" vorzuziehen. Nichtsdestoweniger ist es ein wahrlicher Schmaus den Osteuropäern bei der Arbeit zuzuschauen. Da Marduk aus Gründen eines nur folgerichtigen Völlegefühls neuerdings kein Feuer in mir wecken und der humorige Stußkrach von Verstärkertod mit gänzlicher Absenz noch am angemessensten zu würdigen war, durften Kataklysm für nicht wenige die finale Abräumerfunktion übernehmen. Und sie räumten ab ! "Shadows & dust" und "Illuminati" schlugen per Northern hyperblast in die Schaltzentralen der anwesenden ein, verwandelte Menschen in bangebeugte gefügige Resonanzkörper (auch ich resonierte zu diesem Zeitpunkt nach Kräften !), ehe ein mäulerweitendes Drum-Kunststück den neuen Fellartisten als superbe Verstärkung auswies. Zwei Auszüge aus dem in baldiger Bälde vom Nuclear Blast-Förderband flutschenden "Serenity in fire"-Albums sowie Kracher aus allen Schaffensperioden untermauerten die beachtliche Konstanz der Band und gaben mir und meiner Wachexistenz den wohlverdienten Gnadenschuß.....See you in hell next year !!!! Chris |